Psychologie des Horrors

Warum mögen wir es, uns zu gruseln? Als ich noch jünger war, habe ich mir mit meinen Freunden oft drei oder vier Horrorfilme hintereinander angeschaut. Meine arme Psyche erträgt heute nur noch einen alle paar Monate. Aber immer noch zieht es mich dorthin. Warum eigentlich? Ein paar Überlegungen:

a. Weil wir alle Masochisten sind.

Sigmund Freud würde sagen, dass Menschen, die Horrorfilme schauen, masochistisch sind. Er behauptet überhaupt, dass alle Kinogänger voyeristisch veranlagt sind – und vielleicht hat er dabei auch recht. Durch Horrorfilme bekommen wir die Möglichkeit, Grusliges in der Sicherheit unseres Wohnzimmers zu erleben ohne das uns dabei ein Haar gekrümmt wird.

b. Identifikation mit dem Bösewicht

Vielleicht lieben wir Horrorfilme weil uns selbst für einen aufmerksamen und liebevollen Menschen halten – und das mit der Zeit eben langweilig wird. Denn Michael Meyers ist es egal, ob er jemandes Gefühle verletzt, während er die Leute einem nach dem anderen abmurkst. Ist irgendwie befreiend oder?

c. Horror funktioniert (fast) immer

Auf Netflix gibt es einen Horrorfilm aus brasilianischer Produktion (ich behalte den Namen für mich aus Respekt für fellow Filmemacher), den ich für den schlechtesten Film aller Zeiten halte. Ich war nicht einmal mehr belustigt, sondern fast schon empört über so viel Banalität. Aber: In der Regel weiß man, was einen erwartet, wenn man sich einen Horrorfilm anschaut: Ein fast garantierter Gruseleffekt, selbst wenn bloß mit Jumpscares gearbeitet wird. Andere Genres müssen sich da mehr anstrengen (nicht jede Komödie bringt einen zum Lachen, usw).

d. Offenbarung der menschlichen Dunkelheit

The Human Centipede, A Serbian Film, Hostel. Es gibt schon eine Menge fucked up shit da draußen. Alles was denkbar ist, existiert irgendwo in den Tiefen des Internets, in den Tiefen manch menschlicher Seele. Ist es nicht ekelhaft und faszinierend zugleich, dass Torture Porn gemacht und geschaut wird?

e. Traumaaufarbeitung

Was mich zu meinem nächsten Punkt führt: Die Menschheit hat schon eine Menge durchmachen müssen; Kriege, Folter, Hungersnöte und nicht zuletzt das Wissen um unsere Sterblichkeit. Vielleicht dient der Horrorfilm als künstlerischer Weg, mit all dem Leid klarzukommen. Vielleicht sind wir einfach traumatisiert und benötigen eine Möglichkeit. diesen Gefühlen Raum zu geben.

All das sind meine eigenen Überlegungen. Wie ist das bei euch? Schaut ihr gerne Horrorfilme? Warum ja, warum nein?


Teresa Verfasst von:

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