Was für ein hexenleben…

Oh, die Welt der Magie! Von allen Archetypen- von allen Bündelungen menschlicher Charaktereigenschaften also- spricht mich die Hexe am meisten an. Deswegen habe ich ja auch meinen ersten Roman diesem Thema gewidmet. Das heißt nicht, dass ich wie Hermine zaubere oder wie die Schwestern aus Charmed Dämonen vernichte. Aber Magie ist in meiner Realitätswahrnehmung ein phänomenologisch erfassbares, tiefgehend schimmerndes Netz, das sich der intuitive Mensch zunutze machen kann.

“Of course it is happening inside your head, Harry, but why on earth should that mean that it is not real?”

Warum fühlt es sich so gut an, eine Hexe zu sein?

Freiheit
Weil es bedeutet, frei zu sein. Und sich im Laufe der Zeit immer freier zu machen; von den Geschichten, die man sich selbst erzählt, von gesellschaftlichen Ansprüchen, die man eigentlich sowieso nicht erfüllen will, und am Ende des Tages auch vom Absolutheitsanspruch des aktuellen (wissenschaftlichen) Paradigmas. Man lässt sich nicht mehr fremdbestimmen – und vertraut dem selbst erlebten und der eigenen Intuition immer mehr als dem, was irgendwer mal irgendwann gesagt hat. Ich bin mir bewusst darüber, wie viel wir nicht wissen, wie viel wir nicht verstehen und wie unglaublich mysteriös die Welt und das Sein ist.

Dunkelheit
Weil Hexen keine Angst vor sich selbst haben. Weil sie hinsehen – mitten ins Auge ihrer eigenen Dunkelheit. Weil sie zugeben können, dass sie manipuliert und gelogen haben. Weil sie wissen, dass sie auch heute noch Fehler machen, aber dass es auch gar nicht darum geht, perfekt zu sein. Es geht um die Wahrheit, ums Sein, ums endlich die verdammten Masken fallenlassen.

Verbundenheit
Weil es hilft, zurück zum Körper zu finden; jener Körper, der in unserer geistigen Welt so oft vergessen wird. Weil man sinnlicher wird, mehr spürt, mehr verbunden ist, nicht nur mit den Menschen, sondern mit Tieren, Bäumen, Wolken. Eine Hexe kann mit Krähen sprechen, mit dem Wind kommunizieren und Antworten auf ihre Fragen in den Flammen finden.
Eine Hexe ist mit der Erde verbunden – und zwar buchstäblich. Deswegen tut es ihr weh, was mit der Erde geschieht und sie versucht ihr möglichstes, sich diesbezüglich einzusetzen.

Unabhängigkeit
Weil es bedeutet, aktuelle Machtverhältnisse zu hinterfragen und aufzulösen. Weil es bedeuten kann „nein“ zu sagen und persönliche Grenzen zu setzen ODER Grenzen fallenzulassen und solidarisch mit seinen Mitmenschen zu sein. Weil Hexen sich nichts sagen lassen, weil sie sich selbst genügen, weil man sie nicht so leicht manipulieren kann. Weil sie wach sind und weil sie sich mit anderen Frauen lieber verbünden, als den uns indoktrinierten elenden Konkurrenzkampf weiter auszufechten. Wer ist die Schönste im ganzen Land? Ganz ehrlich – who gives a fuck?

Solidarität
Weil das (Post-)Patriarchat eine starke Gegenkraft braucht. Die Gesellschaft, die uns Menschen in unserem innersten Kern verleugnet, kann nicht einfach so vor sich hinplätschern. Weil Feminismus nicht „unnötig“ ist. Solange es Frauen*, Männer* – Mitmenschen* – gibt, die unterdrückt, ausgenutzt, missbraucht werden, solange ist Harmonie nicht die Lösung (zumindest nicht immer).

Ich glaube, dass so viele Menschen Hexen sind und es vielleicht gar nicht wissen. Man braucht ja auch keine Kategorie; um Definitionen geht es nicht! Es geht darum, zu sich selbst zu stehen (eine unendliche Reise). Ich bin froh und dankbar über jedeN einzelneN, der/die sich für ein Leben in Verbundenheit, Solidarität und Magie entscheidetet.

Danke fürs Lesen!
In diesem Sinne: Eine fröhliche Walpurgisnacht.

Teresa Verfasst von:

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